Aufgaben erledigt, Mitte gefunden 6

Mein Dasein, meine Aufgabe Teil 6

König der Stäbe. Feuerprobe. Die man benötigt im Leben benötigt. Im Feuer kann Ballast verbrennen und Schlacke setzt sich ab. Man schützt sich effektiver vor ungesundem Stress. Der Thron hat nach oben kein Ende. Ein Himmel ohne Grenzen. Gehe für das, was du liebst durchs Feuer.

Es begrüßte mich der goldene Herbst. Die Bäume waren bunt und ließen altes los. Die Natur bereitete sich auf eine Winterruhe vor. Kraft tanken, um mit Neuem wieder hervorzutreten.
Es war schon ein paar Tage her, als ich meine Runde an einem meiner Lieblingsplätze drehte. Ich beobachtete, wie die Natur ihren Ballast ablässt und ihren vergangenen Stress fliegen lässt. Auch sie macht sich auf, wieder auf neuen Pfaden zu erwachen.
„Genauso ist es bei mir“, dachte ich, als ich an meinem Fenster stand und dieses Schauspiel verfolgte. Meine Gedanken flogen zurück. Es war vor 16 Jahren, als man mir den Boden unter den Füßen wegzog. Im Alter von 38 Jahren. Das zweite Kind gerade in der ersten Klasse. Seit Tagen beobachtete ich, dass in meinem Körper etwas war, das dort nicht hingehörte. Es war ein mulmiges Gefühl und trotzdem dachte ich, was von alleine kam, wird auch wieder alleine gehen. Eine Untersuchung schob ich ungefähr ein halbes Jahr vor mir her. Erst als dieses Etwas nicht von alleine gehen wollte, ließ ich es in einem MRT begutachten.
Und dann die niederschmetternde Diagnose – Krebs.
Kann das sein? Ich? Warum? Und jetzt? Sterben? Unzählig viele Fragen schwirrten mir im Kopf herum. Ich taumelte. Mir war schwindelig. Ich lächelte, verhalten. Nein das kann nicht sein. Ich doch nicht. Doch, doch. Die Worten hallten in meinem Kopf. Es reihten sich die Buchstaben „Chemo“ vor meinen Augen auf. Bilder, wie ich über der Toilette hänge und mich übergeben muss. Ich sehe, wie büschelweise das Haar von meinem Kopf fiel.
Meine Ärztin beruhigte mich und besorgte mir einen Operationstermin.
Die Operation gestaltete sich etwas schwierig, weil der Knoten nicht richtig zu lokalisieren war. Deshalb wurde, bei nochmaligem MRT, die Stelle mittels Draht markiert. Der Knoten wurde entfernt und drei Tage später bekam ich den Befund, es sei kein Krebs. Eine Woche darauf, war ich wieder zu Hause.
Das war die Zeit, in der ich zum ersten Mal mit meinem Schutzengel konfrontiert wurde.

Heute weiß ich, dass er dafür sorgte, dass die Wunde nicht richtig heilte, und dass die Narbe wieder vollständig aufbrach. Ich musste wieder ins Krankenhaus. Man könne dies so nicht lassen, sagte mir meine Ärztin. Es war der Wahnsinn. Erst jetzt bemerkten sie den Krebs. Sie hatten dieses Mal den Knoten angeschnitten. Noch einmal musste ich unter das Messer. Leider, „wir haben noch nicht alles, wir müssen noch mal“. Die 3. OP dann. Mir platzte der Kragen. Ich wollte das Ding so schnell wie möglich los werden und sagte, sie sollen doch einfach alles entfernen.
Letztendlich hatte ich eine Amputation. All das belastete mich überhaupt nicht. Für mich war wichtig, dass der Knoten weg war und die Lymphdrüsen nicht befallen waren. Innerlich fühlte ich mich bereits gesund.
Heute bin ich ziemlich sicher, ein Schutzengel sorgte dafür, dass alles doch noch schnell erkannt wurde. Ich durfte noch nicht von dieser Welt gehen, denn es warteten noch Aufgaben auf mich. Trotz alle dem nahm ich die Chemotherapie in kauf. 6 Stück ein halbes Jahr lang.
Depressionen hatte ich nie, war ich doch bei den Ärzten und Schwestern, sowie auch in der Familie gut aufgehoben. Ich machte mich schlau, wollte wissen, was diese Medikamente in meinem Körper bewirken. Vielleicht konnte ich mit einfachen Mitteln etwas dagegen wirken. So mein Gedanke.
Der Tod meines Immunsystems stand vor mir. Weiterhin wälzte ich Bücher und stöberte im Internet. Dann stellte ich mir vor, wenn ich rechtzeitig hochdosierte Vitamine und Mineralien nehmen würde, könnte ich diese Zeit gut überstehen. Bei einem Gespräch mit der Ärztin empfahl mir diese solche Tabletten, von den Kosten her aber sehr teuer waren. Ich wollte ja etwas tun, um wieder gesund zu werden. Deshalb schrieb ich meiner Krankenkasse, mir die Vitamine sowie auch die Mistelkur in Form von Spritzen wenigstens für einige Zeit zu bezahlen. Ein paar Tage später hielt ich die Genehmigung für 4 Jahre in den Händen.
Es konnte nichts mehr schief gehen und ich startete mit der Chemotherapie.

Ich zog mein eigenes Ding durch für diese Zeit.

Wie erfahrt ihr beim nächsten Mal.

Euer Irenchen.

Aufgaben erledigt, Mitte gefunden 5

Mein Dasein Teil 5

Die Spaziergänge früh morgens verbrachte ich entweder am Strand oder auf der anderen Seite der Insel am Watt. Ich beobachtete jeden Morgen die Fasane und lauschte dem Kuckuck, als ob das meine Aufgabe war. Und zwischendurch der Schrei der Möwen. Ein Gesang, den ich schon lange nicht mehr hörte.
Mein Mann und ich durchliefen die ganze Insel. Jeden Tag zwischen 8 und 13 km. Es gab hier alles. Sandstrand, Wattenmeer, Wind, Sonne und auch Regen. Und den Wald nicht zu vergessen. All die Dinge, die ich täglich sah, hielt ich in Fotos fest. Unser Lokal, in dem wir jeden Abend den leckeren Fisch aßen, hatten wir auch gefunden. Das Café mit dem selbstgemachten Kuchen und dem fabelhaften Tee, für fast jeden Mittag.
Es ist eine Insel, die mich vom ersten Tag an, in meine Mitte brachte. Die mich lehrte, dass alles, was bis jetzt in meinem Leben geschah, kein Zufall war. Alles hatte seinen Sinn. Ich hatte Aufgaben zu erledigen. Und plötzlich spürte ich, dass ich nach alledem eine starke Frau geworden bin. Eine Frau, die sich mit dem Gefühl der Freiheit, jetzt zurücklehnen konnte.
Nach diesen Wochen und dem Sammeln von Steinen und Muscheln, als Erinnerung, wusste ich, was ich zu tun hatte. Frei machen von allen Verpflichtungen, das war die nächste und vorübergehend letzte Aufgabe, die ich zu bewältigen hatte. Nichts sollte mehr zu einer schweren Last werden. Die Kinder, erwachsen, lebten jetzt ihr eigenes Leben. Ich konnte ab jetzt entscheiden, was ich tun wollte und was für mich gut war. Allen Herausforderungen in Zukunft konnte ich mich ohne Probleme stellen.

Mein Hund wurde auf meinem Schoß unruhig. Sie möchte nach draußen. Mit mir durch die Natur ziehen.
So entschied ich mich für einen meiner Lieblingsplätze. Der Anglersee in Ketsch.
Es war früh und außer einem Angler, der geduldig auf das Anbeißen der Fische wartete, war niemand unterwegs. Auf der Wasseroberfläche funkelten die Sonnenstrahlen wie kleine Diamanten. Der See lag ruhig und glatt vor mir. Das letzte Aufbäumen des Sommers. Die Blätter der Bäume färbten sich ganz allmählich in ein schönes Orange.
Ich weitete meinen Spaziergang aus und lief noch über die Felder. Diese Einsamkeit, diese Stille, das genoss ich immer wieder.

Wir sehen uns bei meiner nächsten Aufgabe.

Euer Irenchen

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Stille

Umgeben von einem Meer aus Stille,
so lief ich meinen Weg entlang,
auf der Suche nach meinem Willen,
durch dieses schöne Land.
Was bewegt der Menschen Gedanken
wo führt mich das alles hin?
Ich komme leicht ins Wanken,
ich spüre es, tief in mir drin.
Viele Fragen fliegen durch die Luft
diese Stimme, die nach mir ruft.
Diese Stimme, dieser Geruch
etwas liegt hier in der Luft.
Etwas, das nach mir sucht.
Ein Meer aus Stille
der weiche Boden aus Moos
wo ist mein Wille
was ist mit mir los?
Ich laufe weiter,
nein, ich renne.
Ich habe Angst, kann es nicht benennen.
Die Angst, sie kriecht in mir empor
warum, warum
ich komme mir so albern vor.
Ich wache auf, öffne meine Augen
war alles nur ein Traum?
Ich kann es kaum glauben.
Die Stimme
war das Geräusch von einem Baum.
BI

Aufgaben erledigt, Mitte gefunden 4

Mein Dasein Teil 4.

Willkommen auf Amrum.
Im Norden kann jetzt noch die Sonne scheinen und im nächsten Moment fegt ein Sturm und Regen über das Land. So begrüßte uns der Fähranleger.
Zwei Stunden mit der Fähre, anschließend noch bis in den Norden der Insel fahren. Norddorf, das Ziel war erreicht bei Regen. Auch Regentage gehören zu einem Urlaub. Alles kein Problem, denn es gibt bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Als Hundehalter und Mensch, der die Natur liebt, hast du keine schlechte Kleidung.
Nachdem wir unsere kleine Wohnung bezogen hatten, Kleidung und Koffer verstaut waren, wollten wir uns diesen Ort etwas genauer betrachten. Außerdem knurrte der Magen ich freute mich seit Wochen auf den Fisch.
Neptun. Der Name klang nach Meer und auch die Speisekarte brachte viele verschiedene Fischgerichte zum Vorschein. Schnell wurde uns bewusst, dass dieses Lokal, für die Zeit hier, unser Lokal sein würde. Man hieß uns in herzlicher Nordseemanier willkommen und ich fühlte mich sofort wohl.
Erste Nacht in fremden Bett ist immer ungewohnt. Hinzu kam, dass es früher dunkel wurde, als dort, wo wir normalerweise lebten. Auch der nächste Tag begann etwas später, als zuhause. Dafür wurden wir mit Sonnenschein und wolkenlosem Himmel belohnt. Ein Grund für mich, Fotoapparat und Hundeleine zu nehmen, und ans Meer zu laufen. Ich roch die salzige, klare Luft, während ich den Bohlenweg zwischen den Dünen entlanglief. Der Weg führte durch ein kleines Wäldchen und es herrschte eine absolute Ruhe. Menschen waren nur ganz wenige zu sehen. Entweder hatten sie einen Hund dabei, oder den Fotoapparat.
Doch halt, was war das? Ich blieb stehen und lauschte. Und tatsächlich, ich hörte richtig. Der Ruf eines Kuckucks. Zum ersten Mal in meinem Leben. Die Freude war riesig. Und es war nicht zu fassen, denn auf dem Dünenkamm stand plötzlich ein farbenprächtiger stolzer Fasan. All das konnte ich nicht glauben. Ich war glücklich hier zu sein. Das absolute Glück fand ich, als ich das Ende des Bohlenweges erreichte. Das Meer sich mir mit breitem, weißen, feinen Sandstrand präsentierte. Schnappatmung. So oft bin ich schon an der Nordsee gewesen, aber solche Gefühle hatte ich noch nie. Die Stimme in mir sagte, endlich bist du hier. Willkommen daheim.
Daheim? Bildete ich mir das etwa ein oder hatte ich wirklich das Gefühl zu Hause zu sein? Mir war, als ob ich schon oft hier gewesen bin. Auch mein Hund war aus dem Häuschen, so stiegen wir die Stufen hinunter, die uns vom feinen Sand und den Wellen trennte. Wir wollten das Wasser aus nächster Nähe sehen. Wawa machte es einen riesigen Spaß zu buddeln und über den Strand bis zu den Wellen zu flitzen. Sie genoss es, das Wasser an ihren kleinen Pfoten zu spüren.
Ja richtig ein Stück Heimat. Freiheit für die Seele und für den Kopf. Jeden Tag, den ich hier verbrachte, spürte ich ein fließen. Ein Gefühl der Entschleunigung und einem Loslassen. Dieses Gefühl, das ich bereits am ersten Tag spürte, wollte ich nicht mehr missen. Es war ein Ankommen in der Mitte. Ich musste nur noch herausfinden, wie ich in dieser Mitte bleiben konnte. Und ich wollte diese Freiheit mir nicht mehr nehmen lassen.

Willkommen auf Amrum. Es folgt mehr im nächsten Teil.

Euer Irenchen.

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Aufgaben erledigt, Mitte gefunden 3

Mein Dasein Teil 3

Es ist Freitagmorgen. Ich war später dran als sonst. Manchmal liege ich schon eine Weile wach in meinem Bett und nichts kann mich bewegen aufzustehen.
Da sind sie wieder die düsteren Gedanken. Die Überlegungen, was passieren würde, wenn ich nie wieder aufstünde. Sie würden an mein Bett kommen. Mein Mann würde sagen, bleib liegen ruh dich aus, ich kümmere mich um alles. Eine Tochter würde lachen und mich fragen, ob ich spinne. Die andere? Vielleicht die Augen verdrehen, dann die Worte, warum? Geht es dir nicht gut?
Es geht mir gut, ich mag einfach nicht mehr, würde ich denken.
Verpflichtungen, die auf mich einströmen machen mich an manchen Tagen kaputt. Einfach in den Tag hineinleben, nur das tun, was ich möchte. Heute habe ich die Freiheit dies zu tun. Ich werde erzählen, wie es dazu kam. Heute besitze ich keine Verpflichtungen mehr, außer zu Essen, zu schlafen und die Wohnung sauber zu halten. Alles andere möchte ich tun. Es fühlt sich wunderbar an.

Nachdem ich mich endlich aufgerafft hatte, aus dem Bett zu steigen und mich anzuziehen, setzte ich die Kaffeemaschine in Gang. Ich lief in mein Zimmer und öffnete die Terrassentür. Eine steife Brise, würde man auf Amrum sagen, wehte mir um die Nase. Entfernt hörte ich ein leises Gurgeln. Mein Kaffee war in Arbeit. Entfernt waren die Motorengeräusche der Autos wahrzunehmen. Die Sonne kämpfte sich empor, es würde ein herrlicher Tag werden.
Amrum. Immer noch sehe ich den Umriss, diser wunderschönen Insel vor meinem inneren Auge. 3Wochen Inselurlaub. Und der nächste Besucht dorthin steht bereits vor der Tür. Was passierte dort mit mir? Ich kann es nicht richtig in Worte fassen. Es fühlte sich an, als ob die Blase endlich platzte. Endlich konnte alles fließen. Es präsentierte mir mein Leben danach viel klarer. Meine Wünsche traten immer mehr in den Vordergrund. Wollten erfüllt werden.
Ich ging in die Küche und holte mir meine erste Tasse Kaffee, wickelte mich danach in eine Decke und setzte mich draußen auf einen Stuhl.
Schon bevor ich diesen Urlaub antrat, änderte ich einen kleinen Teil in meinem Leben. Doch quälte ich mich seelisch mit Dingen, die in mir ein großes Gewicht hatten. In Gedanken ging ich noch einmal auf die Reise.

9. Juni 2017. Das Gepäck war im Auto verstaut und der Hund lag auf seinem Platz. Mein Mann und ich fuhren los, Richtung Norden. Viele Kilometer lagen vor uns, die wir für eine Nacht in Büsum unterbrachen. Komische Gefühle machten sich in mir breit. Welche Gefühle? Ich konnte das alles noch nicht deuten. Die Autobahn war voll. PKW und unzählige LKW. Normalerweise würden meine Nerven flattern. Doch heute war mir alles egal. Bis Büsum mussten wir zwei Mal eine Pause einlegen. Allein schon wegen dem Hund und weil der Magen knurrte und die Blase drückte.
16 Uhr Ankunft an einer Frühstückspension in Büsum. Es regnete. Regen macht uns nicht klein, denn wir sind Hundehalter. Die gehen bei Wind und Wetter nach draußen. Außerdem hatten wir Hunger. Während wir in die Mitte des Ortes liefen, stellte ich fest, es war alles noch wie damals. Bis auf ein paar Hotelkomplexe mehr. Dass hieß, es würden mehr Touristen hier erscheinen. Ginge dann die Gegend hier langsam zu Grunde wegen der vielen Menschen? Das Natürliche würde somit in den Hintergrund gedrängt. Das Ursprüngliche nicht mehr vorhanden sein. Wir wissen alle, wo viele Menschen sind, gibt es viel mehr Schmutz. Nicht jeder ist darauf bedacht, den Abfall richtig zu entsorgen oder die Hinterlassenschaften der Hunde wegzuräumen. Mir blutet bei solchen Gedanken immer das Herz.
Bevor wir am nächsten Tag weiterfuhren, lief ich vor dem Frühstück auf dem Damm spazieren. Luft holen bei aufgehender Sonne, bevor es die Menschenmassen an den Strand treibt. Und plötzlich hatte ich wieder dieses Gefühl, wie am Tag zuvor. Jetzt konnte ich es in Worte fassen.

„Willkommen zu Hause“ flüsterte eine Stimme in mir.

Für einen Moment war ich verunsichert. Da reiste ich die letzten Jahre durch die Gegend, dabei bin ich an der Nordsee zu Hause. Ich sah zu meinem vierbeinigen Begleiter hinunter, fast konnte man meinen, dass auch sie lächelte. Fühlte sie etwas das Gleiche wie ich? Wir brachten unsere frühe Tour zu Ende, setzten uns an einen üppig gedeckten Frühstückstisch und fuhren danach weiter.
Zum Fähranleger, der uns auf die Insel Amrum brachte waren es nur noch 2 Stunden mit dem Auto. Perfekt.

Eingewickelt in eine Decke, sitzend in einem Stuhl auf meiner Terrasse, die Sonne hatte gewonnen. Ich erhob mich und holte mir meinen zweiten Kaffee, bevor ich in Gedanken zurückgehe nach Amrum. Auch der Hund kuschelte sich eng auf meinen Schoß. Zwei Tassen Kaffee. Ohne die bin ich kein ganzer Mensch. Ich könnte morgens nie zu einem Teetrinker werden.

Morgen folgt der nächste Teil. Wir sehen uns auf Amrum.

Euer Irenchen

Aufgabe erledigt, Mitte gefunden 2

Es geht weiter mit meinem Dasein Teil 2.

Während ich hier sitze und den Füller über das Papier führe, draußen der Tag langsam an Macht gewinnt, spüre ich, dass das, was mir damals den Boden unter den Füßen wegzog, ein Start in ein neues Leben war. Ich sollte beginnen meine Augen zu öffnen, die Musik zu hören, den Duft zu riechen das Gute zu schmecken.
Ja, richtig gelesen. Bis ich die Wörter in mein Computer tippe, schreibe ich sie ein paar Mal mit Füller  auf Papier. Ich lebe mit dem Schreiben. Verrückt? Ja, vielleicht ein klein wenig.
Mit meinen Händen und meinem Kopf sollte ich gewisse Aufgaben erledigen. Das Herz frei machen, und nur Positives einfließen lassen. Dass das alles 16 Jahre in Anspruch nahm, bis ich begriff, ahnte ich damals nicht. Überhaupt ahnte ich nicht, dass ich letztendlich zur Mitte der Ausgeglichenheit finden würde. Jede Aufgabe, die vor mir lag, brachte ein Chaos in meine Gefühlswelt. Jedesmal war ich der Meinung, das alles würde nur mir passieren und alle anderen seien glücklicher als ich.
Die ersten Worte sind geschrieben. Weitere werden folgen. Vielleicht wird es den Anschein haben, chaotisch zu sein. Doch muss es so sein. Im Moment weiß ich noch nicht, was aus dieser Geschichte werden soll.

Vor kurzem begann das letzte Kind den Weg in ein eigenes Leben zu gehen. Ein Zimmer hier bei mir wurde leer. Jetzt sitze ich in diesem Zimmer, das jetzt meine persönliche Note trägt. Meine kleine Kreativstube.
Als Hingucker kaufte ich einen großen Schreibtisch aus Palisanderholz. An ihm sollen mir die schönsten Worte einfallen. Die Wände dekorierte ich mit meinen eigenen Fotografien und Malereien. Ein Gästebett, man weiß ja nie, Regale für meine unzähligen Bücher, die ich gelesen hatte und der Lesesessel direkt vor dem großen Fenster. Im Winter würde mich dort die Sonne wärmen und im Sommer kann ich die Farbenpracht der Gärten bestaunen. Ein Hauch von Rosa brachte ich mit ein und die Sehnsucht nach der Nordsee war zu spüren.
Irgendwann saß ich in meinem Sessel, den Blick hatte ich nach draußen gerichtet und fragte mich nach der Wichtigkeit in meinem Leben. Ein Moment, in dem ich bereits auf dem Weg zu meiner Mitte war.
Liebe ich die Einsamkeit oder liebe ich den Trubel der Menschen. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt viel an Erfahrung erlangt.
Ich werde von diesen Erfahrungen berichten. Sowie über die Aufgaben, die mir gestellt wurden erzählen. Es werden tolle Ereignisse aber auch die trüben Tage in meinem Leben sein, die ich niederschreibe. Den Menschen, die meine Worte lesen, möchte ich vermitteln, dass es sich lohnt, sich zu lieben und es wunderbar ist, mit offenen Augen durch diese schöne Welt zu gehen. Auch wenn die Welt etwas durcheinander geraten ist. Es ist vollkommen in Ordnung, sich den Problemen zu stellen, auch eine gewisse Schwäche zu zeigen. Dadurch bin ich eine starke Frau geworden, die sich so annimmt, wie sie ist, und die, die Menschen respektiert aber nicht jeden lieben muss.
Jeder wird am Ende eine starke Person sein, lächeln und sagen, ich mag mich wie ich jetzt in diesem Moment bin. Erst dann ist man angekommen. In der Mitte des Ichs, in der Mitte des Lebens. Dann weiß man, man hat den richtigen Weg eingeschlagen, es war alles halb so schlimm, auch wenn zu Anfang das Leben ein Trümmerhaufen war.

Teil drei wird folgen.

Euer Irenchen