Spuren

Einsam liegt ein Boot am Strand
Spuren führen durch den feinen Sand
Spuren aus der Vergangenheit
aus der Traurigkeit.
Spuren in die Zukunft
in das Glück.
Immer vorwärts Stück für Stück.
Einsam das Boot
einsam das Herz
ausgemerzt?
Verlassen die Welt
leer und verstaubt das Himmelszelt.
Keine Winde wehen
alles fort, alles verschwunden
zurück blieben leere Stunden.
Einsam liegt das Boot hier am Strand
verschwunden die Spuren im feinen Sand.
BI

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Geräusche

Stille, und das Summen der Bienen.
Stille, und der Gesang der Lerche.
Stille, ein leises Atmen ist zu hören.
Stille, das Rascheln der Blätter in den Bäumen, ein Chor.
Stille, ein Liebeslied der Natur, gesungen für uns.
Stille Regentropfen, du hörst sie klopfen, in deiner Seele.
Einfach Stille, sie gibt so viel.
Stille, ein gedankliches Davonschweben.
BI

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Aufgaben erledigt / Mitte gefunden 11

Mein Dasein Teil 11

Die Kapitel, die ich in Worte fasse und zu Papier bringe, schrieb ich in den letzten Wochen im letzten Jahr. Jeden Morgen zog ich eine Tageskarte, die mich gut durch den Tag brachte. Und oft trifft sie genau ins Schwarze.
Ich zog wieder eine Tageskarte, der Narr. Nanu, frage ich mich. Hält man mich etwa für verrückt?
Nein! Es bedeutet Nirwana oder Lebensmitte. Die Null warnt mich davor, zu leben wie, außer Spesen nichts gewesen. Sie zeigt mir das Symbol des Wesentlichen. In der Mitte zu sein, heißt, verzicht auf äußere Vorbilder. Die Lebensmitte hat keine Altersangabe. Es ist die Mitte der Lebendigkeit und ist unabhängig vom Alter. Zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Der Zusammenklang von Mensch und Welt. Das Maximum der persönlichen Effektivität. Mehr kann man nicht erreichen und weniger wäre ein Verzicht auf vorhandene Möglichkeiten.
Ich frage mich, ob ich damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, als nachts um 3 Uhr meine Mutter anrief und meinte, mein Vater hätte einen Herzstillstand. Vielleicht war es der richtige Zeitpunkt und der richtige Ort, um der folgenden Aufgabe entgegen zu treten.
11 Jahre sind vergangen. Heute stehe ich am Grab, halte einen Moment inne und denke an diese Zeit zurück.

Mitten in der Nacht klingelte das Telefon und ich hatte mich, noch benommen vom Schlaf, gemeldet. Aufregung schlug mir gegen das Ohr.

„Dein Vater hat eine Herzstillstand. Die Ärzte sind hier und mussten ihn wiederbeleben.“

Welches Martyrium von nun an für diesen Mann begann, konnte niemand ahnen.

„Ich komme“, sagte ich. Mit zitternden Händen zog ich meine Kleidung an und fuhr zur Wohnung meiner Eltern. Man verdrängt das Sterben. Man denkt, dass so etwas in deinem Umfeld nicht passieren kann. Ich wunderte mich, dass ich trotzdem sehr gefasst war, als ich dort aus dem Auto stieg. Er lag bereits im Krankenwagen. Ein kurzes Gespräch mit der Assistenzärztin.

„Wir bringen ihn ins Krankenhaus, hier am Ort. Fahren sie bitte vorsichtig.“

Ich stieg wieder in mein Auto. Eine plötzliche Leere hatte mich in Empfang genommen. Die Ärztin von eben war sichtlich erleichtert, als ich kurze Zeit später in der Notaufnahme eintraf.
Ich bin die Ruhe selbst. In solchen Situationen strahle ich eine gewisse Gelassenheit aus. Es bringt auch niemandem etwas, wenn ich verstört durch die Gegend renne. Mir wurde bewusst, dass für jeden das Leben irgendwann vorbei ist. In diesem Moment, mein Vater wurde klinisch versorgt, und ich musste mit meiner Mutter warten, wurde mir bewusst, meine Eltern sind sterblich. Die beiden wird es nicht ewig geben.
Für die kommenden Untersuchungen in den nächsten Tagen, legte man ihn in ein künstliches Koma. Mein Gedanke war nur

„Hoffentlich geht alles gut, da er ja einen Herzstillstand hatte.“

Zwei Stunden später brachte ich meine Mutter nach Hause, räumte die Unordnung, die hinterlassen wurde etwas weg und fuhr anschließend zurück in meine Wohnung. Beim Gehen bat ich sie, sich doch hinzulegen, ich würde am nächsten Tag, also in ein paar Stunden, wieder kommen. Irgendwann am Nachmittag, erfuhren wir vom behandelnden Arzt, dass mein Vater im Krankenwagen noch einmal wiederbelebt werden musste. Seine Herzklappen seien nicht in Ordnung und wenn er wieder bei Bewusstsein ist, müsste er einer Operation zustimmen.

„Seine blöde Raucherei“, dachte ich.

Tage später, ich wieder in der Klinik, lag er wie ein hilfloses Kind vor mir und fragte mich

„Soll ich dieser Operation zustimmen? Ich habe Angst.“

Leider konnte niemand für ihn diese Entscheidung treffen. Das musste er ganz alleine tun.

Während ich hier am Grab stehe, steigt mir zum ersten Mal seit langem, wieder sein Duft in meine Nase. Ein leichtes Lächeln huscht mir über das Gesicht. Auch wenn wir oft miteinander stritten, so gab es trotzdem den Draht zueinander.

Mein Vater entschied sich für die Operation.

Davon mehr beim nächsten Mal.
Euer Irenchen

Aufgaben erledigt / Mitte gefunden 10

Montag, es geht weiter mit meinem Dasein Teil 10

Als Schriftsteller wollte ich reisen und alle, die ich kannte waren begeistert von meinem Vorhaben. Ehrlich gemeint? Naja. Ich lasse das mal so stehen. Ich reiste an den Bodensee, durch den Westen Kanadas und befuhr die Inside Passage von Alaska. Auch Lourdes stattete ich einen Besuch ab. Es war atemberaubend und faszinierend. In Lourdes traf ich Pilger, die den Jacobsweg nach Santiago de Compostela liefen. Es entstand ein nettes Gespräch und ein Gedanke, der mich nicht mehr losließ. Immer wieder kreiste die Idee, den Jacobsweg zu gehen, durch meinen Kopf. Immer wieder schob ich sie beiseite. Was suchte ich eigentlich in dieser Zeit? War es tatsächlich nur eine Bestätigung oder steckte mehr dahinter? Einfach mal etwas verrücktes tun? Alleine? Mein Mann war geduldig. Schließlich konnte er sich absolut auf mich verlassen. Treue und Vertrauen stehen bei mir an erster Stelle. Dann vor zwei Jahren war es soweit. Ich buchte einen Flug nach Spanien. Es sollte der portugiesische Jacobsweg werden. 187 km. Ich wurde zu einer Pilgerin mit Pilgerausweis und Jacobsmuschel. Eine von vielen. Nur mit einem Unterschied. Ich übernachtete im Hotel und lief nur mit Tagesrucksack. Ansonsten war es wie bei den anderen. Es passte alles und es war gut. Jeden Tag fast 27 km zu Fuß und ohne Blasen. Und am Ende sah ich in der Pilgermesse das große Weihrauchfass. Es ging noch weiter. Bis nach Finsterre, dem Ende der Welt. Den Sonnenuntergang mit Tränen in den Augen sehen. Ich hatte es geschafft und ließ da draußen an den Klippen meinen Ballast fliegen. War ich danach ein anderer Mensch? Nein. Vielleicht hatte ich für manche Dinge eine andere Sicht. Diese Erlebnisse konnte mir niemand nehmen. Sie sind eingeschlossen, tief in meinem Herzen. Heute spreche ich noch gerne darüber. Es war eine Aufgabe, die vorbestimmt war und die ich tun musste. In dieser Zeit erlangte ich viel an Wissen. Hauptsächlich lernte ich viel über die Menschen. Das wurde mir erst viel später klar. Dazu später mehr.

Nachdem ich das Handwerkszeug des Schreibens mir angeeignet hatte, schrieb ich einen zweiten Roman. Das war mein eigentliches Baby und gefiel mir besser, als das erste. Der Verlauf? Tja was soll ich sagen? Einige Bücher wurden verkauft. Das Feedback blieb auch hier aus. Warum? Ich bin offen auch für Kritik. Wie kann ich besser werden, wenn ich nicht weiß, ob und wo etwas schlecht ist?
Es ist einfach zu erklären. Manchen Menschen fehlt einfach Rückgrat. Entweder wird so hoch gelobt, dass es für mich schon nicht der Wirklichkeit entsprechen kann, oder es gibt keinen Kommentar.
Einen kleinen Fanclub habe ich und das finde ich sehr nett. Es sind ältere Frauen, die sich jetzt schon auf das dritte Buch freuen. Ein drittes? Ich beende hier dieses Kapitel, die Aufgabe meiner Veränderung. Ohne diese Veränderung hätte ich vieles nicht erfahren.
Abgeheftet im Ordner Lebensweisheiten.

Ich ziehe meine Tageskarte.
„Bube der Schwerter – Erleichterung“
Vielseitigkeit oder Verzettelung des Denkens. Ich bewahre mir meine Leichtigkeit, meinen Witz und meine Frische. Ob ich meinen Teil begreife, das Leben bewusster zu machen? Auf jeden Fall habe ich begriffen. Ich habe in dieser Zeit nichts bereut. Es war gut wie es war. Das Allerbeste davon ist, dass ich 18 kg leichter bin. Ich esse worauf ich Lust habe und bewege mich viel. Gummibären liebe ich, Schokolade gibt es nicht mehr. Immer noch halte ich mein Gewicht auch ohne Diät.

Ja ich kann stolz auf mich sein.

Nächstes Kapitel, nächste Aufgabe morgen mehr.
Euer Irenchen.

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